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Schweizerischer Zweitagemarsch, Bericht 1959 bis heute

 

Im Jahre 1959 hat erstmals eine Schweizer Militärdelegation am Internationalen Vier-Tage-Marsch in Nijmegen teilgenommen. Im Hotel Metropol in Nijmegen (NL) traf sich der damalige Delegationschef Oberst Emil Lüthy (Chef der Sektion Ausserdienstliche Ausbildung der Gruppen des Eidgenössische Militärdepartement), sein Mitarbeiter Hans Preu, Major Herbert Alboth (Pressechef) und Hptm Karl Seewer (Marschteilnehmer) zu einer Aussprache und Beurteilung über die weitere Beteiligung eines Schweizerischen Bataillons an den kommenden Internationalen Vier-Tage-Märschen in Nijmegen. In dieser Diskussionsrunde wurde auch das Thema „Organisation eines Mehrtagemarsches in der Schweiz“ aufgenommen. Nach eingehendem Gespräch wurde Oberst Emil Lüthy gebeten, dem Unteroffiziersverein der Stadt Bern die Idee, einen solchen Marsch durchzuführen, zu unterbreiten. Man dachte an eine Umwandlung des Berner Waffenlaufs, der seit 1949 stattfand, in einen Mehrtagemarsch. Der Erfolg blieb nicht aus! Die Hauptversammlung des Unteroffiziersvereins der Stadt Bern beschloss am 30. Januar 1960 den Waffenlauf nicht mehr durchzuführen, dafür aber die Organisation eines Schweizerischen-Zwei-Tage-Marsches zu übernehmen.

 

Mit einem kleinen Mitarbeiterstab, der sich vor allem aus dem Organisationskomitee (OK) des Berner Waffenlaufs rekrutierte, wurde am 11./12. Juni 1960 mit viel Idealismus und mit einem grossem Erfolg der 1. Schweizerische-Zwei-Tage-Marsch durchgeführt. Die Marschstrecken führten am 1. Tag von der Kaserne Bern - Schosshalden – Gümligen – Worb – Münsingen – zurück in die Kaserne und am 2. Tag von der Kaserne Bern – Lorrainebrücke – Bremgartenwald- Kappelenbrücke – Talmatt – dem Wohlensee entlang – E-Werke Mühleberg – Allenlüften – Neuenegg – Niederwangen – Bümpliz – Studerstein – Lorrainebrücke- in das Ziel vor der Kaserne Bern. Am 1. Schweiz.-Zwei-Tage-Marsch nahmen rund 500 Marschierer der Schweizer Armee teil. Im Jahre 1961 am 2. Schweizerischen-Zwei-Tage-Marsch wurde die Zivil-Kategorie eingeführt und es nahmen um die 1500 Teilnehmer teil.

Am 3. Schweizerischen-Zwei-Tage-Marsch am 30.6/1.7 1962 wurden bereits 1800 Marschierer registriert. Nach der 3. Durchführung stellten sich einige Schwierigkeiten dar, die es für den Unteroffiziersverein der Stadt Bern fraglich erschienen lies, ob er die Organisation und Durchführung dieses Marsches weiterhin übernehmen könne. Es liefen Bestrebungen den Schweizerischen-Zwei-Tage-Marsch dem Unteroffiziersverein der Stadt Bern aus den Händen zu nehmen und einen Interverband zu gründen der aus militärischen und zivilen Vereinen bestehen würde. Die aus Unteroffizierskreisen gestartete Veranstaltung wäre in andere Hände übergegangen, woraus der Eindruck entstanden wäre, dass die Unteroffiziere der Aufgabe, die eine solche Organisation darstellt, nicht gewachsen sind. Der Zentralvorstand hat deshalb den Entscheid getroffen, dass die Veranstaltung in den Händen der Unteroffiziere bleiben sollte. Die rasante Entwicklung der Teilnehmerzahl am Schweizerischen-Zwei-Tage-Marsch zeigt dies deutlich,

 

1960    1. Marsch        500 Teilnehmer

1962    3. Marsch        1`800 Teilnehmer

1974    15. Marsch      11`374 Teilnehmer

1977    18. Marsch      14`277 Teilnehmer

1983    24. Marsch      11`724 Teilnehmer

 

 Die Teilnehmerzahlen blieben bis zu den 90`ern stabil. Danach fiel die Teilnehmerzahl stätig bis 2001 auf den Stand von 3072 Teilnehmern aus 17 Nationen. Wegen organisatorischen Schwierigkeiten beim Festgelände und der Infrastruktur, fand der 42. Schweizerische-Zweitage-Marsch im Jahre 2001 zum letzten Mal in Bern statt. Nach Rücksprache zwischen dem Vizepräsidenten des UOV, Adj Uof Karl Berlinger als Bewohner von Belp und dem Gemeindepräsidenten Belp, Nationalrat Rudolf Joder entschloss man sich, die Veranstaltung in Bern/Belp fortzuführen. Der Verlegung nach Belp wurde vom Gesamtgemeinderat und von den Belp Schützen die Mitarbeit zugesichert. Am neuen Veranstaltungsort gab es für das OK neue Herausforderungen. Die Kameraden Adj Uof Trachsel Fritz, Ehrenpräsident UOV und Hptm Rudolf Lehmann, Marschgruppenführer der MLT Gruppe haben sich bereit erklärt Entwürfe der neunen Stecken auszuarbeiten die dann zum grössten Teil übernommen werden konnten. Mit viel Engagement wurde der 43. Schweizerische-Zwei-Tage-Marsch mit 3438 Teilnehmern aus 21 Nationen erstmals in Belp durchführt. Gemäss Protokoll vom 04. September 2004 hat die neu gegründete Schweizerische Unteroffiziersgesellschaft (SUG) die Trägerschaft des Zweitagemarsches übernommen. Ziele waren unter anderem, den Zwöitägeler in Bern/Belp zu erhalten und die notwendigen Mittel durch Sponsoren sicherzustellen. Bereits am 05 Dezember 2005 wurde nach nur 11/2 Jahren die SUG wieder aufgelöst, was  dazu führte, dass die Trägerschaft wieder an den UOV der Stadt Bern zurück ging. An der 45. Austragung des Marsches nahmen im Jahr 2004 insgesamt noch 3327 Teilnehmer teil. Im Protokoll der Vorstandssitzung vom 16. Juni 2004 des UOV wurde beschlossen auf eine Durchführung des Marsches im Jahre 2005 zu verzichten, sollte bis Ende Juni 2004 keine verbindliche Zusage der Truppenhilfe des VBS vorliegen. Weitere Gründe hierfür waren: Die geänderte Marketingstrategie der Sponsoren, schwindende Teilnehmerzahlen und immer weniger freiwillige Helfer. Im Oktober 2006 hat das Organisationskomitee beschlossen, auf eine weitere Durchführung des Zweitagemarsches zu verzichten. Der UOV der Stadt Bern hat den Auftrag erteilt, alle Arbeiten und die Liquidation des Schweizerischen-Zwei-Tage-Marsches bis zum 31. Januar 2007 abzuschliessen. Eine Medienmitteilung wurde veröffentlicht mit dem Titel „Der Schweizerische Zweitagemarsch ist Geschichte“.  Die Akten der 47 Märsche die unter der Trägerschaft des UOV der Stadt Bern durchgeführt wurden sind in der Burgerbiliothek Bern eingelagert.

 

Die Reaktionen blieben National wie auch International nicht aus. Man muss bedenken, dass der Schweizerische-Zwei-Tage-Marsch ein Gründungsmitglied der International Marching League (IML) ist, welche am 29. Oktober 1987 in Tokio gegründet wurde.

 

 Einige OK-Mitglieder und Funktionäre der Veranstaltung wollten es nicht wahr haben und waren Empört, dass die Veranstaltung für „Tod“ erklärt worden ist. Hptm Rudolf Lehmann übernahm die Initiative und lies sich nicht davon abbringen, den Schweizerischen-Zwei-Tage-Marsch weiter durchzuführen. Glücklicherweise konnte er auch auf die Unterstützung des derzeitigen Präsidenten des UOV der Stadt Bern, Adj Uof Karl Berlinger zählen, denn für diesem ist und war der Schweizerische- Zwei-Tage-Marsch ans Herz gewachsen. Mit einer Vereinbahrung zwischen dem UOV der Stadt Bern und dem Verband der Mechanisierten und Leichten Truppen konnte die Übergabe von noch vorhandenem Material und Auszeichnungen geregelt werden. Nach der Medienmitteilung über das „Aus“ der Veranstaltung, wurde bereits im Dezember 2006 ein Organisationkomitee (OK) auf die Beine gestellt, um den Marsch weiter fortzuführen. Dieses bestand aus Mitgliedern des *Schweizerischen Verbandes Mechanisierter und Leichter Truppen (SVMLT) und Teilen des alten OK’s: *Rudolf Lehmann, Rolf Vonlanthen, Monika Müller, Urs Burkhalter, Hermann Hohermuth, Emanuel Pauchard, Marcel Gasser, *Christof Wetzel, *André Burri, und viele andere Helfer und Funktionäre. Trotz einem Neuen OK, wollte keiner der Alten Verbände die Trägerschaft übernehmen, übernommen hat es nun der Schweizerische Verband Mechanisierter und Leichter Truppen (SVMLT). Der 47. Schweizerische-Zwei-Tage-Marsch sollte mit einem Minimum an Aufwand durchgeführt werden. Zugelassen an der Neuauflage waren nur Marschgruppen von Militärischen Vereinen und Verbänden, der Rekrutenschulen, der Polizei, der Kadetten und befreundete Uniformierte Marschgruppen aus dem Ausland. An der 47. Austragung des Schweizerische-Zwei-Tage-Marsches nahmen ca. 370 Teilnehmer teil. Heute ist der Schweizerische Zweitagemarsch ein Verein nach Art. 60 ff des ZGB mit Sitz in Belp und ist Kollektivmitglied des Schweizerischen Verbandes Mechanisierter und Leichter Truppen (SVMLT) und Mitglied des Vereinsverbandes Belp (VVB). Der Verein hat 17 OK-Mitglieder, ca. 40 Aktivmitglieder und um die 100 Funktionäre.  

 

2014    54. Marsch      1207 Teilnehmer

2014    55. Marsch      1448 Teilnehmer

2015    56. Marsch      1609 Teilnehmer

2016    57. Marsch      1648 Teilnehmer

Der Verein handelt und organisiert sich heute Selbstständig durch die Ehrenamtlich tätigen Mitglieder und Funktionäre.

Beckenried, 11. Juni 2015                                

Karl Berlinger